Informationen zur Schwebefähre Osten

Zur Geschichte der Schwebefähre Osten-Hemmoor

Die Oste ist ein linkselbischer Fluss von 153 km Länge, der am Nordrand der Lünebur­ger Heide entspringt und bei Neuhaus in die Elbe mündet. Im 19. Jahrhundert wies die Oste bereits einen regen Schiffsverkehr auf. Fähren existierten hier bereits seit dem Mittelalter.

In Osten querte die ehemalige Provinzialstraße den Fluss. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Flussquerung mit einer Prahmfähre bewältigt. Diese Fähre war am Anfang des 20. Jahrhunderts den Anforderungen an moderne Verkehrsmittel und den stärker werdenden Verkehr nicht mehr gewachsen.

Deshalb gingen von den Ufergemeinden gegen Ende des 19. Jahrhunderts Bestrebungen aus, die Fähre durch eine feste Brücke mit einer drehbaren Öffnung zu ersetzen. Im Zuge der ersten Planungen stellte sich jedoch heraus, dass diese Brücke offensichtlich viel zu hohe Baukosten erfordern und dem regen Landverkehr Zeitverluste verursachen würde.


Schwebefähre und Elbewer um 1910

So entstand schließlich die Konzeption, die Verkehrsaufgabe durch eine eiserne Schwebefähre zu lösen.

Am 3. Juni 1903 wurde in einer Sitzung des Gemeinderates die Errichtung einer solchen Konstruktion beschlossen, wie sie ein Wasserbauinspektor namens Abraham bereits in einer Skizze vorgestellt hatte. Abraham wurde außerdem gebeten, ein anschauliches Modell der Schwebefähre zu fertigen.

In einer Besprechung im Januar 1905 wurde das Modell einigen Landräten und Baubeamten vorgestellt. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich ausdrücklich für die Schwebefähre aus.

Modell der Schwebefähre um 1905

Die eigentliche Konstruktion der Fähre erfolgte 1905 in „der Vereinigten Augsburg- und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg, AG“ (MAN Werk) in Gustavsburg, wobei sicherlich auf die Entwürfe von Abraham zurückgegriffen wurde. Für die Begleitung der Maßnahme wurde als Bauleiter der Ingenieur Max Pinette aus Berlin beteiligt, der jedoch mit der Konstruktion der Fähre nichts zu tun hatte.


Blaupause der Schwebefähre Osten

Im Herbst des Jahres 1908 begannen schließlich die Bauarbeiten mit der Gründung der Pfeiler für die Fundamente, und parallel dazu erfolgte im Werk Gustavsburg die vorbereitende Arbeit für die Konstruktion.

Anfang August 1909 war schließlich der Hauptträger der Brücke geschlossen worden und die Gemeinde Osten lud die Arbeiter und die Einwohner des Orts zu einer Richtfeier in die örtliche Schützenhalle ein. Die offizielle Eröffnung wurde dann am 1. Oktober 1909 gefeiert.

Unter Einbeziehung aller Nebenkosten wie Landerwerb, Abfindung des Fährmanns und Bau der elektrischen Zentrale mit Einrichtung betrugen die Gesamtbaukosten 274.050 Mark.


Gruppenbild der am Bau beteiligten Handwerker vor der fertiggestellten Schwebefähre

Nachdem 1964 die Planung einer neuen Brücke 400 Meter flussabwärts geplant war, sollte nach Fertigstellung der Fährverkehr endgültig eingestellt werden. Als schließlich 1974 die neue Brücke in Betrieb ging, stellte einen Tag später die Schwebefähre ihren Betrieb ein. Der zunächst geplante Abbruch konnte durch rechtzeitiges Einschreiten engagierter Ostener Bürger und der Denkmalbehörde des Landes Niedersachsen verhindert werden, die bereits im selben Jahr die Schwebefähre als technisches Kulturdenkmal unter Schutz stellte.


Die Schwebefähre mit Blick nach Osten

Die Konstruktion der Fähre

Die Schwebefähre besteht aus einem Traggerüst in genieteter Eisenfachwerkkonstruktion, bei dem der über dem Fluss liegende Hauptträger, an dem auch die Fahrgondel hängt, auf jeweils zwei Stützen je Ufer gelagert ist. Am Untergurt des Hauptträgers hängend, wird sie mit einem Elektromotor über vier Räder angetrieben, die auf der Schienenkonstruktion des Hauptträgers laufen. Man hört sie nicht, sie scheint durch die Luft zu schweben. Und doch kann sie große Lasten transportieren – im Laufe der Jahrzehnte erhöhte man ihre Belastbarkeit auf bis zu 18 Tonnen.

„Nach dem Bauprogramm sollte die Schwebefähre sowohl für Fuhrwerke wie für Personen dienen. Die Gondel sollte Raum bieten für zwei gekuppelte Fuhrwerke und außerdem auf erhöhtem, seitlich ausgekragtem Stand für etwa 25 Personen.“

„Für die allgemeine Anordnung der Eisenkonstruktion der Schwebefähre waren die Bestimmungen maßgebend, dass die Stützenfundamente eine Stützweite der Brücke von mindestens 80 m ermöglichen sollten, dass auf der Seite der Gemeinde Osten die Gondel sich ganz bis hinter den eigentlichen Stromlauf müsse zurückschieben lassen und dass die Konstruktions-Unterkante der Brücke in mindestens 30 m Fahrwasserbreite eine Lichthöhe von mindestens 21 m bei höchstem, rd. 24,5 m bei gewöhnlichem Hochwasser und rd. 26,7 m bei gewöhnlichem Niederwasser der Oste gewähren sollte, damit vollbemastete Seeschiffe die Brücke jederzeit ungehindert durchfahren können.
Als Belastung für die Gondel waren anzunehmen: eine 18 t schwere Straßenwalze oder ein 12 t schwerer Lastkraftwagen und Menschengedränge von 400 kg/qm, oder 130 – 140 Personen, bei gleichzeitigem seitlichem Winddruck von 150 kg/qm…“

aus: „Deutsche Bauzeitung, Nr. 97 und 103, 1909“